St. Magnus Kirche

Die katholische Kirche St. Magnus [1]

 

Die Industrieansiedlung um die Jahrhundertwende, die Entwicklung modellhafter Mitarbeiterwohnsiedlungen und nach dem 2. Weltkrieg der große Flüchtlingszuzug lassen die Kirchengemeinde nachdrücklich anwachsen. Im Jahr 1951 zählt die katholische Kirchengemeinde rund 2.200 Mitglieder – wohingegen die kleine St.Vitus-Kirche gerade einmal 400 Gottesdienstbesuchern Platz bietet. Pfarrer Josef Hagenmayer tritt seine Pfarrstelle im Herbst 1951 daher mit der klaren Aufgabe und dem Bestreben an, eine neue Kirche zu bauen. Der Standort soll der gewachsenen Gemeinde Rechnung tragen, der Bauplatz stammt aus dem Besitz des Herzogs Philipp Albrecht von Württemberg, der der Kirchengemeinde beim Erwerb sehr entgegenkommt.

Spendensammlungen und Bettelpredigten gehen der bischöflichen Erlaubnis zum Kirchenbau vom 20.5.1955 voraus. Bereits im August desselben Jahrs wird der Heilige Magnus als Patron ausgewählt. Entwurf und Oberbauleitung liegen bei Franz Halt aus Aulendorf / Baden-Baden, vor Ort trägt der Fischbacher Architekt Edmund Bäuerle die Verantwortung. Zusammen mit der Kirche wird in Verlängerung des Schiffes auch ein neues Pfarrhaus gebaut.

Die Kirche wird als moderner Stahlbeton-Skelettbau geplant, der den Grundriss einer dreischiffigen romanischen Basilika hat. Die 12 Stützen, die Kirchenschiff und Seitengänge trennen und die Dachkonstruktion mittragen, sind das Symbol für die 12 Apostel als tragende Säulen des christlichen Glaubens. Am 11. Dezember 1955 ist die feierliche Grundsteinlegung, am 31. Januar 1956 wird bereits das Richtfest gefeiert und schon am18. November desselben Jahres wird die neue Kirche durch Bischof Dr. Carl Joseph Leiprecht, dem „Häfler“ Weihbischof Wilhelm Sedlmeier und Abt Wilfrid Fenker aus Weingarten eingeweiht. St. Magnus ist ab jetzt die Pfarrkirche im Häfler Westen, St. Vitus verliert den Status als Pfarrkirche. Demensprechend werden zu den beiden für St. Magnus neu gegossenen Glocken auch die beiden Glocken von St. Vitus geholt und auf den Magnuser Kirchturm verbracht. (2) Der Neubau hat die Finanzmittel der Kirchengemeinde aufgebraucht, die geplante Orgel kann daher nur zu Teilen realisiert werden. (3)

Ein künstlerisches Kleinod in St. Magnus ist die von Hilde Broër geschaffene Antoniusstatue, die der Gemeinde 1960 zugestiftet wurde.

1967 wird in direkter Nachbarschaft zur Kirche mit dem Bau des Gemeindezentrums und des neuen Kindergartens St. Christophorus begonnen, die schon im Sommer des Folgejahres eingeweiht werden können. Zu dieser Zeit zählt die Kirchengemeinde bereits mehr als 3.350 Gemeindemitglieder.

In den 70er Jahre gibt es etliche Neuerungen. Seit Anfang 1973 engagieren sich Lektorinnen und Lektoren in den Gottesdiensten der Gemeinde, die ersten Ministrantinnen werden aufgenommen, St. Magnus gehört seit 1974 zur Gesamtkirchengemeinde Friedrichshafen, die erste Orgelrenovierung und Erweiterung steht an, ab 1976 unterstützt eine Gemeindereferentin den Pfarrer.

Zum 25-jährigen Jubiläum im November 1981 wird der Vorplatz vor dem Haupteingang fertiggestellt, im Folgejahr leiten erstmals Laien Wortgottesdienste in St. Magnus.

Bereits seit 1984 und ganz formell ab 1986 ist der Pfarrer in St. Magnus auch mit der seelsorgerlichen Betreuung der St. Peter-und-Paul-Gemeinde in Schnetzenhausen betraut. Der erste Schritt von vielen weiteren, aus denen sich die heutige Seelsorgeeinheit 3 FN-West entwickelt hat (der offizielle Kooperationsvertrag wird zwar erst im Zuge der Gemeindereform im Oktober 2002 unterschrieben, de facto besteht diese Seelsorgeeinheit jedoch schon seit fast 30 Jahren). Auch das in den 70er Jahren erbaute Städtische Krankenhaus gehört in die Seelsorgeeinheit. Ab 1988 wird das Pastoralteam um den Krankenhausseelsorger ergänzt, der zu einem kleinen Teil seines Auftrags auch in den Gemeinden mitwirkt.

1991 erfolgt die Außenrenovierung von St. Magnus (4). Neue Seitenfenster, von Hermann Geyer entworfen, werden eingebaut. Dessen Vater hatte bereits beim Neubau der Kirche die ersten Fenster gestaltet. Neben Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament werden auch Heilige und Selige aus dem Bodenseeraum abgebildet. 1/3 der Gesamtkosten wird in Eigenleistung erbracht. Dem veränderten Liturgie- und Kirchenverständnis in Folge des Zweiten Vaticanums entspricht die Umgestaltung des Innenraums, die von April bis November 1995 durchgeführt wird. In dieser ganzen Zeit des Umbaus ist die Gemeinde zu Gast in der Evangelischen Kirche in Manzell und kann sich dort zum Gottesdienst versammeln – ein nachdrückliches Zeichen gelebter Ökumene und geschwisterlicher Nachbarschaft.

Josef Henger (5) aus Ravensburg hatte bereits 1972 den für die damalige Zeit sensationellen figürlichen Kreuzweg gestaltet hatte, 1973 folgten die Marien- und die Josefsstatue, 1974 der Korpus für das bereits vorhandene Holzkreuz. Henger wird nun beauftragt, auch Altar, Kreuz, Ambo, Tabernakel und Taufbecken neu zu gestalten. In seiner Ausarbeitung prägt das Weinstock-Motiv den gesamten Chorraum. Christus als Keltertreter in der Tabernakelgestaltung, die Füsse des Altars, die sozusagen aus dem Boden herauswachsen, die Kreuzenden, die das Rebenbild aufgreifen: „ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ (Joh 15,5). Der Taufstein greift je zwei Szenen aus dem Alten und Neuen Testament auf: die Arche Noah und der Durchzug durch das Rote Meer, sowie die Taufe Jesu im Jordan und das Gespräch mit der Frau am Jakobsbrunnen.

Kommunionbank und Kanzel werden entfernt, der Hochaltar ausgebaut und der Kirche in Scherbakty (Kasachstan) zur Verfügung gestellt. Die obersten drei Stufen werden auf die Fußbodenhöhe der Sakristei zurückgebaut. So rückt der Altar ein deutliches Stück näher zum Kirchenschiff, die vormalige große räumliche Distanz zwischen Pfarrer und Gemeinde wird aufgelöst. Die Farbgestaltung im Chorraum übernimmt Restaurator H. Wengeter. Das Taufbecken kommt auf die erste Stufe in den Chorraum und aus der Taufkapelle wird mit der Marienkapelle ein gerne aufgesuchter Raum der Stille. Fünfzig Prozent der Kosten der Renovierung trägt die Kirchengemeinde selbst.

Auch Kindergarten und Gemeindezentrum sind Ende der 90er Jahre renovierungs- bzw. erweiterungsbedürftig. Jugendliche und Erwachsene aus der Gemeinde bauen den Keller des Gemeindezentrums aus – die Oase entsteht, zunächst als offener Jugendtreff. Inzwischen ist die Oase Heimat der Magnuser Ministranten. In einem weiteren Umbauschritt 2003 erhält der heute 4 Gruppen umfassende Kindergarten St. Christophorus sein heutiges Gesicht. Eine der Gruppen ist eine Kleinkindgruppe für Kinder unter 3 Jahren, die übrigen 3 Gruppen richten sich an Kinder über 3 Jahren. Wesentliche Aussagen aus dem Leitbild sind: jeder Mensch wird als einmalige von Gott geschaffene Persönlichkeit geachtet; die Grundhaltung des Handels fußt auf dem christlichen Menschenbild; alle Menschen, unabhängig von ethnischer, kultureller, religiöser oder sozialer Herkunft, sind willkommen. Menschen mit Beeinträchtigungen erfahren besondere Hinwendung; mit den Eltern wird partnerschaftlich zusammengearbeitet; auf der Basis christlicher Werte wird die ganzheitliche Entfaltung der Kinder gefördert.

Ebenfalls 2003 erfährt die Orgel eine Generalreinigung, in deren Folge nicht nur kleinere Reparaturen sondern auch maßvolle Umbauten zur klanglichen Verbesserung durchgeführt werden können.

Im Jahr 2004 wird in der Kirche erneut umgebaut, ein ansprechendes Beichtzimmer wird gestaltet, das den veränderten Bedürfnissen nach seelsorgerlichem Gespräch Rechnung trägt.

Die jüngste Baumaßnahme betrifft erneut das Gemeindezentrum, das vorrangig behindertengerecht umgebaut und sich nach Abschluss in der Innengestaltung und Aufteilung heller, offener und freundlicher darstellt. Hunderte von Stunden ehrenamtlicher Eigenleistung und vielfältige Aktionen um Spenden zu sammeln und Einnahmen zu generieren tragen dazu bei, dass der gemeindliche Eigenanteil an den Umbaukosten geschultert werden kann.

 


(1) In Auszügen aus der Chronik von St. Magnus, in: 50 Jahre St. Magnus, S. 7 ff.

(2) Die Glocken von St. Magnus, in: 50 Jahre St. Magnus, S. 34 f.

(3) Die Orgel in St. Magnus, in: 50 Jahre St. Magnus, S. 30 ff.

(4) Innen- und Außensanierung, in: 50 Jahre St. Magnus, S. 20 ff.

(5) Die Werke von Josef Henger in St. Magnus, in: 50 Jahre St. Magnus, S. 24 ff.

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